Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, vertritt rund 1 800 Unternehmen. Das Spektrum der Mitglieder reicht von lokalen und kommunalen über regionale bis hin zu überregionalen Unternehmen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Stromabsatzes, gut 60 Prozent des Nah- und Fernwärmeabsatzes, 90 Prozent des Erdgasabsatzes sowie 80 Prozent der Trinkwasser-Förderung und rund ein Drittel der Abwasser-Entsorgung in Deutschland.

 
 

Umwelt-/Naturschutz

Umweltschutz im Stromnetzbereich

Neue Selbstverpflichtung zu SF6 als Isolier- und Löschgas in der Energietechnik vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit akzepiert

Betreiber- und Herstellerverbände von elektrischen Betriebsmitteln sowie der Hersteller von Schwefelhexafluriod (SF6), Solvay Fluor GmbH, haben sich mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) auf eine weiterentwickelte Selbstverpflichtung geeinigt. Ziel ist die Emissionsbegrenzung des Treibhausgases SF6. Das BMU verzichtet jetzt auf das im Jahre 2002 vorgeschlagene Verbot. Für die Netzbetreiber ist damit die freie Technologiewahl bei Schaltanlagen und die notwendige Planungssicherheit bei Investitionsentscheidungen gewährleistet.

Gegenstand der Selbstverpflichtung ist ein Bündel von Maßnahmen zur Emissionsbegrenzung bei der Anwendung von SF6 in elektrischen Betriebsmitteln der Stromversorgung, wie z.B. Schaltanlagen, Wandlern und Leistungsschaltern. Die Maßnahmen der Selbstverpflichtung erstrecken sich über den gesamten Lebenszyklus von der Herstellung der Produkte bis zum Recycling bzw. der Entsorgung des Gases.

Diese neue Selbstverpflichtung zielt darauf ab, einerseits die erfolgreichen Maßnahmen bei den Schaltanlagen auf alle Anwendungen von SF6 in der Stromversorgung zu übertragen und den Kreis der beteiligten Betreiber zu erweitern. Andererseits werden insbesondere auch die Maßnahmen und Ziele für die in der Zukunft anstehende Rückgewinnung, Wiederverwendung bzw. Entsorgung von SF6-Gas nach Außerbetriebnahme der Geräte am Ende ihrer Lebensdauer beschrieben.


Eigenschaften von SF6

Schwefelhexafluorid (SF6) gehört zur Gruppe der fluorierten Gase (F-Gase) und wird wegen seiner hervorragenden Isiolier- und Löschfähigkeit in gasisolierten Schaltanlagen eingesetzt. SF6 gehört wie auch andere Gase (z. B. Methan, Distickstoffoxide, CO2) aufgrund seiner Wirkung in der Atmosphäre zu den sogenannten Treibhausgasen. Diese Gase lassen kurzwellige Wärmestrahlung der Sonne zur Erde passieren, absorbieren aber die langwellige Anteile. Der Effekt, der ähnlicher Form in Treibhäusern auftritt, führt zu einer globalen Erderwärmung. Eine beschränkte Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist eine wichtige Maßnahme zum globalen Klimaschutz.

In der Energieübertragung und Verteilung wird SF6 in geschlossenen Schaltanlagen verwendet. Diese Schaltanlagentechnologie hat sich in Punkten der Personensicherheit, der Baugröße und der geringen Störanfälligkeit seit langer Zeit international bewährt. Mit Hilfe von SF6 - Schaltanlagen lassen sich u. a. in Großstädten komplexe und sichere Stromverteilungsanlagen unterbringen. Das Isoliergas SF6 befindet sich in geschlossenen Systemen. Die Anlagenabdichtung wird bei den Herstellern und Betreibern geprüft und überwacht, da mit einer Leckage das Isoliervermögen der Hochspannungsanlagen herabgesetzt wird.


EG-F-Gase-Verordnung

In dritter Lesung im EU-Parlament und im Rat wurde die „Verordnung 842/2006 über bestimmte fluorierte Treibhausgase“ angenommen und am 14. Juni offiziell im Amtsblatt veröffentlicht worden. Unter den Geltungsbereich der Verordnung fallen fluorierte Treibhausgase wie z.B. SF6 und verschiedene Kältemittel.

SF6 kann auch nach in Kraft Treten der Verordnung weiterhin uneingeschränkt in der Energietechnik verwendet werden. Die Verordnung regelt die Bereich Rückgewinnung, Ausbildung und Zertifizierung, Berichterstattung und Kennzeichnung von Anlagen.


Ecofys-Studie 2005

Eine Studie des Beratungsunternehmens Ecofys, die sich mit der Reduktion von SF6-Emissionen in der Hoch- und Mittelspannung in der EU befasst, wurde von CAPIEL (Europäischer Verband der Schaltgeräte- und Schaltanlagenhersteller) in Zusammenarbeit mit EURELECTRIC in Auftrag gegeben. Sie unterstreicht die Bedeutung von SF6 für die Energieversorgung und kommt zu folgenden Ergebnissen:
  • Der Anteil von SF6-Emissionen der Energietechnik an der gesamten Treibhausgasemission lag 2002 EU-weit bei nur 0,05%.
  • Durch die bisherigen freiwilligen Maßnahmen konnte die Branche seit 1995 die Emissionen um 40% senken.
  • 70% des Potenzials zur Emissionsreduktion wurden bereits durch freiwillige Maßnahmen der Hersteller und Betreiber realisiert.
Damit zeigt die Studie, dass die Emissionsreduktion schon heute die geplanten Zielvorgaben der Europäischen Kommission für den Zeitraum bis 2010 übertrifft.


Ökobilanz Mittelspannung

Eine Ökobilanzstudie Mittelspannung wurde von Betreibern und Herstellern in Auftrag gegeben. Ergebnis der Studie ist ein Umweltprofil der Energieverteilung im Mittelspannungsbereich mit einem Vergleich der luft- und gasisolierten Schaltanlagen. Es zeigt sich, dass aus ökologischer Sicht Verbote oder Verwendungsbeschränkungen von SF6 in Anlagen und Komponenten der Energieübertragung und -verteilung nachteilig und nicht zu rechtfertigen sind.

Weitere Informationen unter sf6-energietechnik.de