Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, vertritt rund 1 800 Unternehmen. Das Spektrum der Mitglieder reicht von lokalen und kommunalen über regionale bis hin zu überregionalen Unternehmen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Stromabsatzes, gut 60 Prozent des Nah- und Fernwärmeabsatzes, 90 Prozent des Erdgasabsatzes sowie 80 Prozent der Trinkwasser-Förderung und rund ein Drittel der Abwasser-Entsorgung in Deutschland.

 
 

Netzrückwirkungen

Die neuen gemeinsamen Technischen Regeln zur Beurteilung von Netzrückwirkungen (2. Ausgabe 2007)

Durch den verstärkten Einsatz von Leistungselektronik und die damit verbundene Zunahme an nichtlinearen Verbrauchern in allen Netzebenen entstehen in wachsendem Maße Rückwirkungen auf die Netze, die sich in unerwünschten Änderungen der Spannungshöhe und der Kurvenform der Netzspannung bemerkbar machen können. Als Folge hiervon können andere an das Netz angeschlossene elektrische Betriebsmittel und Anlagen störend beeinflusst werden. Die möglichen Störungen sind abhängig von der Amplitude, der Häufigkeit und der Dauer der Netzrückwirkungen sowie dem Verbreitungsgrad bestimmter Betriebsmittelarten.

Im Interesse aller ist die Einhaltung einer Balance zwischen zusätzlichen Störaussendungen in das Netz und dem Schutz anderer an das Netz angeschlossener elektrischer Betriebsmittel und Anlagen sicherzustellen.

Aus diesem Grund müssen die Netzbetreiber die Möglichkeit haben, die von den an ihre Netze angeschlossenen elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen verursachten Netzrückwirkungen und deren Auswirkungen auch unter den sich ändernden Rahmenbedingungen in einem verträglichen Rahmen zu halten.

Hierzu leistet die überarbeitete gemeinsame Technische Regel1 zur Beurteilung von Netzrückwirkungen (2. Ausgabe 2007) einen unverzichtbaren Beitrag. Diese Überarbeitung setzt insbesondere auf den Ergebnissen der Diskussionen bei der Präsentation der Erstausgabe, 2004, im Rahmen von insgesamt zehn Einführungsseminaren in den Ländern der vier Verbände VEÖ, VSE, VDN und CSRES auf. Sie betrifft neben redaktionellen Verbesserungen vor allem
  • die Ergänzung um ein Kapitel zur Erläuterung der gegenseitigen Abhängigkeit von EMV und PQ
  • das Kapitel 2. Begriffe, in welchem neben konsequenter Berücksichtigung der EN 50160 des CENELEC und des Internationalen Elektrotechnischen Wörterbuches (IEV) der IEC einzelne Begriffsdefinitionen ergänzt bzw. präzisiert wurden
  • das Kapitel 3. Kurzschlussleistung, in welchem die Ermittlung der Leitungsimpedanz und der Netzimpedanz am Verknüpfungspunkt eingehender erläutert wurden
  • das Kapitel 4. Spannungsänderungen und Flicker, wo vor allem

    1. Präzisierungen zur Überlagerung des Flickers aus mehreren Flickerquellen und zur Flickerstärke sowie deren Berechnung in einem analytischen Verfahren vorgenommen
    2. ein Abschnitt über Flickerminimierung und Kompensation ergänzt
    3. Überarbeitungen im Bereich der Beispiele vorgenommen wurden

  • das Kapitel 6. Oberschwingungen hinsichtlich

    1. der Bestimmung von Oberschwingungsstromgrenzwerten und des auf den Grundschwingungsstrom bezogenen Emissionsgrenzwerte für die Gesamtheit aller Oberschwingungsströme THDiA
    2. der Aufgabe und Wirkung von Saugkreisen
    3. der Netzqualitätsverbesserung durch Aktivfilter.

  • das Kapitel 8. Zwischenharmonische Spannungen, mit einer Ergänzung betreffend Flickererscheinungen, verursacht durch Amplitudenschwankungen bei Zwischenharmonischen im flickerkritischen Bereich
  • das Kapitel 10., in welchem die Anforderungen für Erzeugungsanlagen für Niederspannung mit Einspeisestromstärken bis 16 A hinsichtlich

    1. der Störemission eines einzelnen Betriebsmittels
    2. der Summenwirkung von Betriebsmitteln in einem bestimmten Netzbereich betreffend Merkmale der Spannungsqualität
    3. der zulässigen Anhebung der Versorgungsspannung am Verknüpfungspunkt differenziert werden.

Es ist vorgesehen, in einer künftigen überarbeiteten Version auch die Hochspannungsebene zu behandeln, weil die Notwendigkeit erkannt ist, auch in diesen Netzen im steigenden Maß Netzrückwirkungen bei Anschluss von störenden leistungsstarken Anlagen oder durch die Übertragung von Störgrößen aus den nachgelagerten MS-Netzen zu beurteilen. Dies wird eine beträchtliche Erweiterung der Technischen Richtlinien erfordern, die sich über alle Kapitel erstreckt.

In Deutschland werden diese neuen gemeinsamen Technischen Regeln der vier Elektrizitätsverbände aus Österreich (VEÖ), Schweiz (VSE/AES), Tschechien (CSRES) und Deutschland (VDN) im Rahmen von VDN-Fachveranstaltungen im November 2007 vorgestellt. Die Tagungsteilnehmer erhalten die Technischen Regeln in elektronischer Form sowie einen Tagungsband mit den Vortragsfolien.

Zur weiterführenden Schulung von Mitarbeitern der Netzbetreiber, Ingenieurbüros, Technischen Beratungsunternehmen, Hersteller und Industrie sowie Elektroinstallateure, die mit Fragen der Spannungsqualität und Netzrückwirkungen befasst sind, sind weiterführende flächendeckende Praxis-Seminare geplant, um das Verständnis für die systemtechnischen Zusammenhänge zu fördern und vor allem, um für die tägliche Arbeit vor Ort übersichtliche Anwendungshilfen zu geben. Anvisierter Zeitraum für diese Praxis-Seminare ist 2008.


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* Die Technischen Regeln zur Beurteilung von Netzrückwirkungen können über den VWEW Energieverlag, www.vwew.de, Frankfurt am Main, Tel.: 069 / 710 46 87 - 351, E-mail san@vwew.de bezogen werden.